Erster Sieg! Erfurt überfährt den VCW
Verkehrte Welt! Im 22. Spiel der 1. Volleyball Bundesliga Frauen gewann der Tabellenletzte Schwarz-Weiß Erfurt am Samstagabend zum ersten Mal – mit 3:0 in souveräner Manier (25:21, 25:18, 26:16) gegen einen völlig mut- und ratlosen VC Wiesbaden, der bei 23 Punkten verharrt und nun auf dem ohnehin ungeliebten Platz 6 sogar noch vom USC Münster (21) bedrängt wird. Beide Teams treffen am 26.02.2025 in der hessischen Landeshauptstadt aufeinander. Dass dieser Begegnung unerwartet besondere Brisanz zukommt, haben sich die VCW-Athletinnen selbst eingebrockt.
Die Story zum Match in Erfurt ist schnell erzählt: Der VCW war mit dem Ziel angereist, in Thüringen drei eingepreiste Punkte mitzunehmen, fand dann aber zu keiner Zeit zur Normalform. Die Gastgeberinnen waren hingegen nach ihrem ersten Punktgewinn zuvor gegen die Ladies in Black Aachen noch voller Adrenalin. Die Mannschaft von Chefcoach Mateusz Żarczyński (Polen) trat geschlossen auf und nutzte konsequent ihre Chancen, die ihnen von den VCW-Damen serviert wurden. Immer wieder drang der heimische Angriff durch. Die Hessinnen fanden den Power-Knopf nicht und bekamen einfach keinen Zugriff. Es haperte auch in der Annahme, die im dritten Satz angesichts der nahenden Niederlage noch bröckeliger wurde. Wo war das Selbstvertrauen des Favoriten hin? Drei Tage zuvor hatte man doch beim 2:3 gegen Allianz MTV Stuttgart eine super Partie geliefert.
VCW-Chefcoach Tigin Yağlioğlu wechselte wie im Stuttgart-Match alle Spielerinnen ein und aus. Damit erzielte er zwar zumindest phasenweise Entlastung (etwa durch den Change auf der Diagonalposition), konnte aber keine Wende herbeiführen. Es gab längere Abschnitte, in denen VCW-Punkte allein aus Schwarz-Weiß-Fehlern resultierten. Die Spielerinnen schienen überrascht von den Erfurter Wellen und sie legten den Respekt bis zum Ende nicht mehr ab. Bitter: Die drei Sätze konnten sich die euphorisierten Gastgeberinnen schnappen, ohne während der 69 Spielminuten vom Gast ernsthaft bedrängt worden zu sein.
Drei Erfurterinnen agierten nach Belieben: die 1,98 Meter große US-Mittelblockerin Page Reagor (15 Punkte), US-Außenangreiferin Kira Thomsen (14) und Positionskollegin Pia Mohr (11), die sich am Ende auch die goldene MVP-Medaille umhängen durfte. Silber ging an Wiesbadens Libera Rene Sain (Kroatien), die sich darüber verständlicherweise kaum freute, hatte ihr Team doch gerade eine Partie zum Vergessen geliefert. Die mitgereisten VCW-Fans klatschten ihre Spielerinnen an der Bande tapfer ab, aber auch ihnen standen gleich mehrere Fragezeichen auf der Stirn.
Mannschaft und Trainerteam haben nun zehn Tage Zeit, um die volatile Performance zu analysieren und sich für das Match gegen den USC Münster auch mental fitzumachen. Münster gewann im Übrigen gestern mit 3:2 gegen die Ladies in Black Aachen.
STATEMENT
Tigin Yağlioğlu: „Das war mit Abstand unsere schlechteste Saisonleistung. Das ist nicht zu entschuldigen und auch nicht zu erklären. Wir haben uns in den vergangenen Wochen so viel erarbeitet und dann folgt so ein Spiel. Erfurt war gewillt, sich hier gut zu präsentieren und hat das konstant durchgezogen. Wir haben uns ergeben. Das tut weh. In den letzten drei Spielen der Hauptrunde geht es um Wiedergutmachung. Die müssen uns mit Blickrichtung Playoffs wieder in die Spur bringen.“
TERMINE
1. Volleyball Bundesliga Frauen
26. Februar 2025 (Mittwoch, 19:30 Uhr)
VCW – USC Münster
(Wiesbaden, Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit)
8. März 2025 (Samstag, 19:00 Uhr)
VfB Suhl Lotto Thüringen – VCW
(Suhl, Sporthalle Wolfsgrube)
15. März 2025 (Samstag, 17:15 Uhr)
VCW – Dresdner SC
(Wiesbaden, Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit)
Die Spiele der 1. Volleyball Bundesliga werden live und on-Demand auf der Streaming-Plattform DYN übertragen.